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Und immer kommt man zum Wasser - aktiv an der Aarhusküste

Foto: Sarah Green

Die Region um Dänemarks zweitgrößte Stadt Aarhus im Osten Jütlands, dort wo das dänische Festland am dicksten ist, hat viele einladende Strände von der Hafenstadt Juelsminde im Süden bis zur Nordküste von der Halbinsel Djursland.

📝 Von Hans Klüche, Reisejournalist und Reisebuchautor

Im Süden dieser großen Halbinsel findet sich eine Landschaft, die für viele Dänen zu den schönsten Flecken ihrer Heimat zählt: der Nationalpark Mols Bjerge. Weiter im Binnenland der Region stößt man dann auf ein für Besucher aus dem Ausland kaum bekanntes Dänemark mit wenigstens vom Namen her himmelhohen Bergen und vielen Seen: Søhøjlandet, das Seenhochland. Die Gudenå, der längste Fluss des Landes, verknüpft viele der See zu einem blauen Band. Überall gleiten Kanuten, Kajakfahrer und SUP-Enthusiasten auf ihren Boards durch diese Wasserwelt, dazwischen Tret- und Ruderbote mit Familien auf kurzen Schnuppertouren.

Rund um die Seen zieht sich ein enges Netz von Wander- und Radrouten für jede Kondition. Ganz Fitte folgen der Gudenå von der Quelle zur Mündung andere strampeln auf dem Naturstien Horsens-Silkeborg oder wandern die 64 Kilometer auf der Vandreruten Aarhus-Silkeborg (Text Dänisch, gute Karte!) von der Küste bis ins Herz des Seenhochlandes.

Keine Frage: Das Land der Dünen und Meeresstrände kann auch richtig gut Süßwasser und sogar Berge!

Meine zehn Highlights für aktive Outdoor-Erlebnisse in der Aarhus Region:

Himmelbjerg – ganz hoch hinaus

Foto: Per Bille

Bis weit ins 19. Jh. pilgerten die Dänen hier hinauf, wenn sie auf ihren ›höchsten Berg‹ wollten. Dann nahmen pedantische Landvermesser dem Himmelbjerg diesen Status. Dabei sind seine 147 Meter Höhe – vom Ufer des Julsø immerhin noch etwa 100 Höhenmeter – durchaus ansehnlich. Die Aussicht von oben auf die Seelandschaft ist grandios und eine Anreise zum Aufstieg mit dem historischen Dampfer Hjejlen, der älteste originale kohlebefeuerte Raddampfer der Welt, der noch in Betrieb ist, aus Silkeborg oder Ry ist pure Nostalgie. 

Die Aussicht allein erklärt aber nicht die Popularität im Lande, doch ist dieser Ort für Dänemarks nationale Identität von großer Bedeutung: Hier gab es in den 1830ern Jahren große Volkstreffen, die am Ende ohne Blutvergießen zu der bis heute in Grundzügen gültigen, bürgerlichen Verfassung von 1849 führten. Vom Anleger der Ausflugsschiffe ist die knapp 1000 m lange Søruten, der direkte Weg den Berg hinauf, bestens präpariert. Niemand muss Bergsteiger oder Langstreckenwanderer sein, um ihn zu schaffen. Jedes Verschnaufen verschafft herrliche neue Ausblicke auf den Julsø.

Die etwa doppelt so lange Lynghedeturen weiter östlich ist ebenfalls gut markiert, lässt sich perfekt in verschiedene Rundwege vom Anleger zum Gipfel und wieder hinunter einbauen und ist auch mit Kindern gut zu schaffen. Wer die ganze Schönheit der Region erleben möchte, nimmt »Himmelbjergruten« unter die Füße, die Quintessenz dieses so ungewohnten Dänemark komprimiert in einem Netz gut markierter Wanderwege rund um die Himmelbjergseen. Die längste Option vom Himmelbjerg via Ry und Silkeborg wieder zurück zum Gipfel wäre über 50 km lang.

Meine deutlich abgekürzte Lieblingsvariante bringt mich mit dem Ausflugsboot von Ry zum Aufstieg auf den Gipfel. Von dort laufe ich dann zum Skyttehusets Outdoor Camp am Südufer der Gudenå hinunter, von wo im Sommer die kleine, solarbetriebene »Solfærge Søhøjlandet« Wanderer ans andere Ufer bringt.

Auf der Nordseite warten mit Aalekroen, der bei dem Namen natürlich gebratenen Aal als Spezialität auf der Karte hat, und Traktorstedet Ludvigslyst zwei zauberhafte Lokale für eine Frokostpause. Über Laven geht es anschließend zurück nach Ry – insgesamt etwa 17 km. Eine ausführliche Beschreibung der Himmelbjergroute mit deutscher Kurzfassung und hervorragendem Kartenmaterial gibt’s als Flyer in Touristenbüros und in Unterkünften der Region oder zum Download.

Wer Dänemark als kleinen »Alpenersatz« erleben möchte, findet auf der Webseite »BestigBjerge« rund 20 kompakte ›Gipfel‹touren im Seenhochland, zwar nur auf Dänisch und Englisch beschrieben, aber immer mit guter Karte.

Inseltour Hjarnø – bitte entschleunigen

Hjarnø set oppefra
Foto: Kystlandet

Von dem kleinen Fährhafen Snaptun südlich von Horsens setze ich gern nach Hjarnø über, das nur einen Katzensprung, besser gesagt fünf Fährminuten, vor der Küste liegt. Zwei bis drei Überfahrten pro Stunde machen diesen Ausflug ungemein flexibel, auf Abfahrtzeiten muss man hier nie achten.

Die drei Quadratkilometer kleine Insel ist perfekt für geruhsame Spaziergänge: Von Entfernungen kann man kaum reden, an den Wegen gibt’s nette Picknickplätze und an der alten Schule sogar einen öffentlichen Grillplatz. Zu meinen Zielen gehören immer die Strandwiesen am Nordufer, wo sich unter all den Pflanzen, die Salz gut vertragen, auch Queller findet, ein ›Gemüse‹, das gern in der neuen nordischen Küche verwendete wird. Im Nordosten sowie im Süden formen flache Nehrungen zwei Lagunen, ideal zur Beobachtung von Küsten-, Zug- und Watvögeln. Sogar Geschichte wird nahe der südlichen Lagune mit einen Gruppe von Steingräbern in Schiffsform aus der frühen Wikingerzeit greifbar.

Weitere Tipps: hjarnø.dk, hjarnøfærgefart.dk

Inselperle – Schatzsuche auf Tunø

Familie på Tunø Skattejagt
Foto: Dennis Plougmann

Ich oute mich gern als Inselfan. Von den vielen in Dänemark hat mir das weitgehend unter Naturschutz stehende, autofreie Tunø besonders gefallen. Allein die pfiffige Idee früherer Bewohner, als sie 1801 einen Leuchtturm benötigten, diesen kurzerhand auf den Kirchturm zu setzen, ist allein schon den Besuch wert – ein einzigartiges Fotomotiv!

Einen Tagesausflug muss man aber rechtzeitig buchen, die Kapazitäten der Fähre sind bei nur zwei bis drei Überfahrten pro Tag sehr beschränkt. Mit Kinder im Gefolge, kann man sich an Bord die Karte für eine Inselrallye geben lassen (auch auf Deutsch; oder hier herunter laden – gut 8 Kilometer sind bis zur Lösung aller Fragen zu laufen, dann gibt’s beim Inselkaufmann eine Medaille – wenn das kein Ansporn ist!

Weitere Tipps: Schatzsuche auf Tunøtunoefaergen.dk

Kanutour auf der Gudenå – Dänemarks längstes Kanurevier

Mit Kanu auf Gudenåen
Foto: David Jervidal

Die Gudenå, eines der abwechslungsreichsten Kanu-Reviere in Nordeuropa, kann auf gut 140 Kilometer Länge fast von der Quelle bei Tørring bis zur Mündung in den Randers Fjord mit dem Kanu befahren werden – da ist man gut 10 Tage unterwegs, wenn man es ruhig angehen lässt. Aber es gibt natürlich Varianten für ein, zwei oder drei Tage. In einigen Abschnitten gelten besondere Naturschutzregeln, darüber informieren alle Kanu-Verleiher und Tourenanbieter. Wer eine Mehrtagestour macht, findet am Fluss kostenlose, einfache Naturlejrpladser ebenso wie komfortable Campingplätze.

Weitere Tipps: Sejladspaagudenaaen.dkSilkeborg KanocenterTørring Kanu Verleih

Nationalpark Mols Bjerge – Berge und Meer

Nationalpark Mols Bjerge
Foto: VisitDjursland

Die Mols Bjerge im Süden der Halbinsel Djursland wurden nicht von ungefähr 2009 als zweite Region Dänemarks zum Nationalpark – Dänen lieben diese Hügelwelt in Tuchfühlung zum Meer. Dass sich schon ihre Vorfahren vor gut 5000 Jahre hier wohl fühlten, lässt Poskær Stenhus ahnen, eines der mächtigsten dänischen Dolmengräber nahe dem Dorf Knebel. Etwas weiter nördlich kann man Agri Bavnehøj »erklimmen«, den mit 137 Metern höchsten Gipfel im Nationalpark.

Auch wenn der Name nur die Mols Berge erwähnt, gehören zum Nationalpark Küsten, Meeresbuchten und die malerische Ruine eines mittelalterlichen Schlosses auf der Insel Kalø, erreichbar über einen schmalen Damm. Auf Kalø Slot wurde Weltgeschichte geschrieben, als der dänische König dort vor 500 Jahren den jungen schwedischen Adeligen Gustav Vasa gefangen hielt. Der konnte fliehen, führte bald darauf zum König gewählt sein Heimatland in die Unabhängigkeit von Dänemark und verschob damit grundlegend die Machtverhältnisse im Norden Europas .

Ein Gang zur Ruine kombiniert mit einer Wanderung in den alten Schlosswäldern Hestehave Skov und Ringelmose Skov am Festland ist mein Favorit im Nationalpark. Hier wo Wald auf Küste trifft erlebt man viel Abwechslung der Landschaften und entdeckt Zeugnisse der Geschichte von Gräbern der Steinzeit bis zum Kalø Hovedgård, dem Gutshof, der im 18. Jahrhundert als Nachfolgebau des langsam verfallenden Kalø Slot entstand.

Wer sich wie viele Dänen in diese Landschaft verliebt, erlebt sie ganz intensiv auf den drei ganz unterschiedlichen Etappen des Mols Bjerge Stien. Der 60 Kilometer lange Fernwanderweg von Kalø Slot bis Ebeltoft wird als einer von nur zwei dänischen »Leading Quality Trails« von der European Ramblers Association zu Europas besten Wanderwegen gezählt.

Die mittlere Etappe über die höchsten Abschnitte kann man perfekt als anspruchsvolle Tagesrundtour mit steilen Auf- und Abstiegen erwandern, belohnt mit einzigartige Aussichten auf Hügelkuppen und Meeresbuchten.

Weitere Tipps: nationalparkmolsbjerge.dk (Infos, Karten), nationalparkbooking.dk (geführte Touren)

Insel Anholt – fast schon Schweden!

Insel Anholt – fast schon Schweden!
Foto: Sebastian Nils

Die Insel Anholt streckt gut drei Fährstunden östlich von Djursland rund 26 Kilometer sandiger Küste dem Kattegat entgegen. Ørken, die Wüste, macht gut 80 Prozent der Insel aus, eine faszinierend raue, vegetationsarme Dünenlandschaft. Die steht fast komplett unter Naturschutz, wie auch die Ostspitze Tøtten mit ihrer großen Seehundkolonie. Wanderwege gibt’s kreuz und quer über die Insel und Platz für lange Strandspaziergänge sowieso.

Segler steuern Anholt gern an, im Sommer liegen oft bis zu 700 Boote über Nacht im Hafen. Das sorgt für ein charmantes Chaos und eine relaxt-maritime, geradezu mediterrane Stimmung in den umliegenden Bars und Restaurants. Damit sich ein Besuch lohnt, bleibe ich nie unter drei Tagen, mindestens eine Nacht sollte es sein. Dafür gibt’s mehrere B&B-Häuser, ein Hostel, einen Campingplatz aber nur wenige Ferienhäuser.

Auf Entdeckungsreise in den größten Kalkgruben der Welt

Mønsted Kalkgruber
Foto: Mads Gregersen

Gönnen Sie sich ein einzigartiges und faszinierendes Erlebnis für Kinder und Erwachsene. Ein wenig außerhalb der Stadt Viborg, dem historischen Zentrum der Aarhusküste, liegen diese spektakulären Kalkgruben. Hier können Sie auf Entdeckungsreise in den großen und kleinen Minengängen gehen, die größtenteils beleuchtet sind.

Außerhalb der Gruben können Sie außerdem das Kalkwerk oder Museum besuchen. Hier wird vermittelt, wie sich das Leben und die Arbeit entwickelten, seit das Kalkwerk im Jahr 1874 etabliert wurde. Die Gegend um Viborg ist sehr geschichtsträchtig, und Sie finden hier eine wunderschöne Natur, durch die auch der fantastische Wanderweg Hærvejen führt, auf deutsch als Ochsenweg bekannt.

Weitere Tipps: moensted-kalkgruber.dk

Spaziergang um den Almind Sø – grüne Perle von Silkeborg

Østre Søbad ved Silkeborg
Foto: Bo Nørgaard, Silkeborg Kommune

Der dänische Wanderverein hat diesen gut vier Kilometer langen, landschaftlich zauberhaften, dabei flachen und leicht zu laufenden Weg um einen der saubersten Seen Dänemarks als besonders familienfreundlich zertifiziert. Dazu haben sicher die beiden Strandbäder beigetragen, das etwas munterere Østre Søbad nahe der Parkplätze am Horsensvej, und das weiter von der Straße entfernte Vestre Søbad. Zu beide gehören unendliche, sprich kreisrunde Badebrücken, Umkleiden, Toiletten und Kioske.

Mein Lieblingsplatz an diesem Weg ist der über dem Südufer gelegenen Aussichtpunkt Kroghs Bænk, von dem aus man den See mit der Stadt im Hintergrund überblickt.

Weitere Tipps: Almindsø

Großstadt und Badeurlaub – Aarhus kann das perfekt

Den Uendelige Bro - Die Endlose Brücke in Aarhus
Foto: Dennis Borup Jakobsen, kunstner Johan Gjøde og Niels Povlsgaard

Inzwischen ist der Hafen von Aarhus so saniert, dass man an mehreren Stellen ein Bad nehmen kann. Schon architektonisch fällt das Hafenbad Bassin7 aus dem Rahmen, Vorzeige-Pool von Aarhus Ø. Dort, wo dieses begehrte Wohn- und junge Lifestyleviertel ans offene Meer stößt, gibt es noch die 500 Meter lange Meerschwimmbahn, Aarhus Havbane. Hier sieht man enthusiastische Meerschwimmer fast das ganz Jahr ihre Bahnen ziehen. Richtiges Strandfeeling gibt’s im Süden von Aarhus an dem schmalen, aber langen Sandband vom Marselisborg Strand bis zum Ballehage Strand.

Highlight ist hier die dank Instagram weltbekannte Uendelige Bro, eine kreisrunde und somit ›endlose‹ Badebrücke – von Ende April bis Ende Oktober ist sie aufgestellt.

Ruhige und wunderschöne Strände an der Aarhusküste

Endelave badebro
Foto: David Jervidal

An der dänischen Ostküste und an der Aarhusküste finden Sie ruhige und sehr kinderfreundliche Strände. Wenn Sie dem Küstenverlauf folgen, kommen Sie an wunderhübschen Jachthäfen vorbei – hier ist besonders Juelsminde zu erwähnen, wo Sie jede Menge dänischer Charme erwartet.

Wenn Sie weiter nach Norden fahren, können Sie einen Zwischenstop am idyllischen Hafen von Norsminde einlegen. Hier gibt es das Fischrestaurant Fiskehuset, eine Eisdiele und das Gourmetrestaurant im gemütlichen Gasthof Norsminde Kro. Ein wenig weiter nördlich, wo der Wald sich wunderschön bis an die Küste ausdehnt, sollten Sie unbedingt einen Besuch des legendären Moesgaard Museums und der Großstadt Aarhus einplanen, bevor Sie die Küsten von Djursland erreichen.

Djursland bietet idyllische, kinderfreundliche Strände und ist bekannt für die vielen lokalen Geschmackserlebnisse und eine Vielzahl an Attraktionen, die alle in einem kurzen Abstand voneinander liegen. Wenn Sie einen Ausflug an die Küste Djurslands machen, sollten Sie sich auf keinen Fall die fantastischen weißen Klippen bei Karlby und Sangstrup Klinter entgehen lassen, die beide nördlich der Kaufmannsstadt Grenaa liegen.

Weitere Tipps: Strände an der Aarhusküste

📝 Von Reisejournalist und Reisebuchautor Hans Klüche

Reisejournalist und Reisebuchautor Hans Klüche
Foto: Hans Klüche

Reisejournalist und Reisebuchautor Hans Klüche lebte mehrere Jahre als Auslandskorrespondent in Dänemark und reist heute beruflich wie privat mehrmals im Jahr in das kleine Königreich immer auf der Suche nach Neuem und Besonderem. Hans schreibt regelmäßig über Dänemark im NORDIS Magazin und publizierte mehrere Reiseführer wie das DuMont Reisehandbuch Dänemark.

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